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Vorstellungsrede zur Wahl als Landesgeschäftsführerin

Liebe Genossinnen und Genossen,
ich bin Andrea Johlige, 34 Jahre alt, verheiratet und habe einen fünfjährigen Sohn. Ich bin Mediengestalterin und Medienfachwirtin und war bis Juni 2011 hauptberuflich selbstständig mit einer Werbeagentur und einem kleinen Regionalbuchverlag. Mein parteipolitisches Leben habe ich an meinem 18. Geburtstag in Sachsen-Anhalt begonnen und war dort 8 Jahre Mitglied des Landesvorstandes, davon 4 Jahre stellvertretende Landesvorsitzende. Die Liebe hat mich dann nach Brandenburg, ins Havelland gebracht. Kommunal verankert bin ich als Mitglied des Kreistages Havelland und bis Dezember 2011 war ich Kreisvorsitzende der LINKEN Havelland. Im Landesvorstand arbeite ich seit 2010 und ab Juni 2011 habe ich die Leitung der Landesgeschäftsstelle der LINKEN Brandenburg übernommen.


Liebe Genossinnen und Genossen,
mein Ziel ist eine starke, selbstbewusste und lebendige LINKE in Brandenburg. ___ Was heißt das genau?
Stark heißt für mich in erster Linie stark vor Ort. Wir sind die Partei des Alltags, der Kümmerer. Aber: Unsere Strukturen vor Ort verändern sich, durch den Generationenwechsel und auch durch gesellschaftliche Veränderungen. Darauf müssen wir uns als Partei einstellen: Vor Ort werden wir uns künftig noch stärker auf Nachwuchsgewinnung und -förderung aber auch auf transparente und auf Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern orientierte Politik  konzentrieren müssen.
Und auch der Status als Regierungspartei stellt uns vor neue Herausforderungen. Als Kreisvorsitzende und Kreistagsabgeordnete habe ich gemerkt: wir müssen vor allem vor Ort erklären, was wir im Land machen. Jede Genossin und jeder Genosse muss Auskunft geben können über unsere Erfolge, Niederlagen und Kompromisse. Und deshalb ist es eine unserer wichtigsten Aufgaben, alles, was auf Landesebene passiert, schnell zu den Genossinnen und Genossen an der Basis zu transportieren. Und anders herum ist es notwendig, dass die Probleme vor Ort schnell zum Minister und zur Landtagsfraktion gelangen, um sicherzustellen, dass wir auch auf Landesebene dem Anspruch, Partei für den Alltag zu sein, gerecht zu werden.

Die Landesgeschäftsstelle hat aus meiner Sicht vor allem eine Funktion: den Genossinnen und Genossen in den Kreisverbänden das Leben zu erleichtern. Deshalb arbeiten wir daran, dass die Landesgeschäftsstelle noch stärker Servicestelle für den gesamten Landesverband wird, hier müssen Informationen aufgearbeitet und dorthin weiter gegeben werden, wo sie gebraucht werden.
Derzeit gehen wir davon aus, dass Informationen von der Landesebene bis zu drei Monate brauchen, um wirklich an der Basis angelangt zu sein. Das ist von Kreisverband zu Kreisverband etwas unterschiedlich, Herausforderung ist aber, diese Zeit deutlich zu verkürzen. Wir haben erste konkrete Maßnahmen ergriffen, um den Informationsfluss zu verbessern. Der neue Newsletter informiert wöchentlich alle, die per E-Mail bei uns erfasst sind und das Intranet wird noch in 2012 ans Netz gehen und – da digitale Kommunikation nicht alles ist – werden wir uns als Landesvorstand am Mitgliedermagazin des Parteivorstandes beteiligen und damit vierteljährlich jede Genossin und jeden Genossen per Post erreichen. Und auch regelmäßige Beratungen mit Kreisvorsitzenden und die Stärkung des Landesausschusses sind Maßnahmen, die Kommunikation innerhalb des Landesverbandes zu verbessern.
Eine starke LINKE heißt aber auch stark bei Wahlen. Die nächsten Jahre werden geprägt sein von Wahlkämpfen und der neue Landesvorstand wird bereits im März 2012 ernsthaft in die strategische Vorbereitung der Wahlkämpfe und die Festlegung einer Wahlkampfstruktur einsteigen müssen. Wahlen gewinnt man vor allem durch gute Politik. Ein gut vorbereiteter Wahlkampf, der von der strategischen Planung, über die inhaltliche Standortbestimmung und die KandidatInnengewinnung und -schulung bis hin zur eigentlichen Wahlkampagne reicht, ist aber natürlich ebenfalls mitentscheidend für ein gutes Wahlergebnis. Für uns ist existenziell wichtig, dass unsere Politik und wir als LINKE – glaubhaft sind und eine Geschichte erzählen.  Unsere Geschichte ist die soziale Gerechtigkeit, ist, niemanden zurückzulassen. Unsere Geschichte ist aber auch ökologisches Wirtschaften und Teilhabe am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben zu sichern. Und unsere Geschichte ist, konsequent für Frieden einzutreten. Wenn es uns gelingt, dies zu verkörpern vor Ort, auf der Straße, in den Parlamenten und in der Landesregierung und gleichzeitig diese, unsere Geschichte im Rahmen der Leitbilddebatte fortzuschreiben, dann werden wir eine stimmige Wahlkampfstrategie und daraus eine Wahlkampagne zu entwickeln können, die uns als LINKE den Bürgerinnen und Bürgern als  gesellschaftliche Alternative nahe bringt.

Liebe Genossinnen und Genossen,
ich will neben einer starken LINKEN auch eine lebendige LINKE. Dafür ist es wichtig, dass jeder Genossin und jedem Genossen die Teilhabe am Parteileben und am Politikentwicklungsprozess gesichert ist. Da helfen natürlich organisatorische Maßnahmen wie eine Kinderbetreuung oder der Gebärdensprachdolmetscher bei Veranstaltungen, ich meine aber mehr.
Ich denke, die Vielfalt ist unsere Stärke und gerade der Pluralismus innerhalb der LINKEN macht das Politikmachen bei uns so spannend und wir als Landesvorstand, sind gefordert, dieser Vielfalt die Teilhabe zu sichern.
Dazu braucht es zu allererst einen offenen Diskurs und eine angenehme Diskussionskultur. Lasst uns miteinander streiten, diskutieren und Lösungen suchen, lasst uns gemeinsam auch mal Kultur erleben, lasst uns miteinander lachen und lasst uns wieder mehr miteinander reden. Und vor allem, lasst uns nicht gleich die große ideologische Keule raus holen, wenn jemand in einer Diskussion nicht die vermeintlich reine Lehre vertritt. Die Lust am offenen und kulturvollen Diskurs  schaffen wir nur, wenn wir gerade auch in unseren innerparteilichen Diskussionen das leben, was wir von dieser Gesellschaft verlangen – einen solidarischen und kulturvollen Umgang miteinander.   
Und zu einer lebendigen Partei gehört, auch neuen, unkonventionellen Ideen eine Chance zu geben und nicht zu sagen „Das machen wir aber seit 20 Jahren so“ sondern eher „Das haben wir zwar noch nie gemacht, aber wir probieren es einfach mal aus“.  

Liebe Genossinnen und Genossen,
eine selbstbewusste LINKE ist eine, die sich auch mal über ihre Erfolge freut. Wie oft habe ich in den letzten Wochen und Monaten gedacht, meine Güte, wieso freuen wir uns eigentlich nicht, wenn wir den Erhalt der Amtsgerichte oder das Vergabegesetz mit verankertem Mindestlohn bei öffentlichen Aufträgen oder mehr Geld für Bildung durchgesetzt haben. Selbstbewusst heißt auch mal zu sagen: Hallo, das haben wir durchgesetzt, ohne uns gäbe es das nicht. Und nein, unser Koalitionspartner fand das nicht super, musste aber unserem Druck nachgeben. Das machen wir derzeit kaum, selbst wenn wir es versuchen, kommt jemand aus der eigenen Partei mit erhobenem Zeigefinger und sagt: Na, da wäre aber noch mehr drin gewesen. Das stimmt so gut wie immer, macht aber den Erfolg nach innen wie nach außen kommunikativ zunichte. Ich wünsche mir, dass wir einfach mal die Sektkorken knallen lassen, wenn ein langjähriges Ziel beispielsweise das Wahlalter 16 auf Landes- und Kommunalebene erreicht ist.
Eine selbstbewusste Partei sagt aber auch offen, wenn sie eine Niederlage erlitten hat, auch das fällt uns oft schwer und ein großer Fehler innerparteilich wie öffentlich ist, unsere Niederlagen schönzureden. Wir müssen Kompromisse erklären und viel stärker transparent machen: das war die Ausgangslage, da stand die SPD, da standen wir, und das ist das Ergebnis. Dieses Erklären von Kompromissen aber auch das Eingeständnis, dass wir nicht alles erreicht haben, was wir wollten, das macht glaubwürdig und Glaubwürdigkeit ist gerade für uns LINKE existenziell.  
Und zu einer selbstbewussten LINKEN gehört, unseren gesellschaftlichen Gestaltungsanspruch über die Parlamente und die Regierung hinaus deutlich zu machen. Unser Engagement in gesellschaftlichen Bewegungen ist deshalb wichtig und das Dranbleiben an ihren Debatten ebenfalls. Das ist eine Aufgabe auf allen Ebenen und an uns liegt es, Pluralität und Diskursfreude auch gegenüber den außerparlamentarischen Partnern zu leben. Auf Landesebene muss dies der Landesvorstand leisten, aber wir alle sind gefragt, der Politik auf der Straße und dem Kontakt zur Gesellschaft wieder größeren Stellenwert einzuräumen.

Liebe Genossinnen und Genossen,
dies ist meine Vorstellung von einer LINKEN in Brandenburg, wie ich sie mir wünsche, als starke, selbstbewusste und lebendige Partei.___ Ich kandiere als Landesgeschäftsführerin um den Weg dahin mitzugestalten.


Liebe Genossinnen und Genossen,
ich halte die Landesgeschäftsführung für ein hochpolitisches Amt und ich bin ein sehr politischer Mensch. Deshalb kandidiere ich bewusst auch und vor allem als politische Geschäftsführerin. Mit mir bekommt ihr keine, die die eben skizzierten Prozesse nur organisatorisch-technisch begleitet, sondern ich will mich bewusst in die politische Steuerung, Organisation und Koordination einbringen. Dazu gehören die inhaltliche Begleitung der Leitbilddebatte, die strategische Vorbereitung, Steuerung und Führung der Wahlkämpfe, die Zusammenarbeit mit den Kreisverbänden und auch die Vertretung der Positionen des Landesverbands in der Bundespartei und gegenüber der Landtagsfraktion.
Als Leiterin der Landesgeschäftsstelle im war ich vor allem organisatorisch unterwegs. Als Landesgeschäftsführerin werde ich zusätzlich eine politische Rolle innerhalb des Landesverbands einnehmen. Dafür bitte ich euch um euer Vertrauen, jetzt bei der Wahl und vor allem auch in der Zusammenarbeit in den nächsten Jahren.
Ich danke euch für eure Aufmerksamkeit.