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Gespräch mit dem Geschäftsführer der Havelland-Kliniken zur Zukunft der Geburtsstation in Nauen

Seit drei Wochen treibt die Bürger*innen von Nauen vor allem ein Thema um: Wie geht es weiter mit der Geburtsstation in Nauen. Diese musste aus akutem Personamangel kurzfristig zum 1.10.2018 geschlossen werden. Dazu hatte ich hier bereits etwas geschrieben. Seitdem bin ich mit diversen Akteuren auf Kreis- und Landesebene zu diesem Thema im Gespräch, um gemeinsam tragfähige - sowohl kurz- als auch langfristige - Lösungen zu finden. Heute traf ich mich mit dem Geschäftsführer der Havelland-Kliniken, Herrn Grigoleit, und der Pressesprecherin, Frau Dietrich.

Im Gespräch ging es natürlich vor allem um die aktuelle Situation. Die Kliniken versuchen mit Hochdruck neues Personal zu finden, um den Kreißsaal in Nauen so schnell wie möglich wieder eröffnen zu können. Der Geschäftsführer war vorsichtig optimistisch, dass diese Bemühungen zum Erfolg führen könnten. Unter anderem werden auch freiberufliche Hebammen im Havelland angesprochen und mit denjenigen, die sich eine Mitarbeit vorstellen können, werden verschiedene Modelle besprochen (bspw. die stundenweise Tätigkeit als Beleghebamme). Dazu bedürfte es einer Neukonzeption des Betriebs des Kreißsaals, wozu die Klinik jedoch bereit wäre. Die neue Chefärztin der Geburtshilfe ist persönlich sehr aktiv und versucht in diversen Gesprächen neue Kolleginnen zu gewinnen. Geprüft wird aktuell auch, wie die Attraktivität der Kliniken als Arbeitsgeber für Fachkräfte gesteigert kann.

Natürlich laufen parallel auch andere Maßnahmen zur Personalgewinnung. Allerdings sind auch andere Kliniken der Region auf der Suche nach Personal im Bereich der Geburtshilfe. Mindestens als unsensibel darf die Anzeige des Städtischen Klinikums Brandenburg in einer Havelländer Zeitung am vergangenen Wochenende gewertet werden, in der das Klinikum mit 3000 Euro Willkommensprämie und einem Tablet Hebammen aus dem Havelland nach Brandenburg zu locken versuchte. Ob das der richtige Weg ist, in einer Region, wo gerade eine Geburtsstation vorrübergehend geschlossen werden musste, noch zu versuchen weiteres Personal abzuwerben, muss das Städtische Klinikum Brandenburg selbst beantworten. Mir ist das jedenfalls sehr negativ aufgestoßen.

Im weiteren Gespräch konnte ich vermelden, dass wir als LINKE in den aktuellen Haushaltsverhandlungen auf Landesebene versuchen, ein Programm für Hebammen aufzulegen, um die Fachkräftestruktur auf diesem Gebiet wenigstens zu stabilisieren und neue Wege zur Fackräftesicherung gehen zu können. Ich hoffe, dass der Landtag diesem Vorschlag meiner Fraktion folgt und für die kommenden beiden Jahre Geld für diesen Bereich zur Verfügung stellt.

Wir sprachen aber auch über die Ausbildung der Hebammen. Wir sind einig, dass das Land prüfen sollte, ob ein weiterer Ausbildungsgang für Hebammen (neben denen in Eberswalde und in Cottbus) im Nord-Westen Brandenburgs aufgelegt werden kann, um mittelfristig dem Fachkräftemangel etwas entgegensetzen zu können. Das werde ich natürlich gegenüber dem Sozialministerium thematisieren. Im Bereich der Ausbildung spielt jedoch auch die bevorstehende Akademisierung – also die Umstellung auf einen Bachelor-Studiengang – eine Rolle. Welche Auswirkungen dies haben wird, muss noch diskutiert werden.

Die Havelland-Kliniken sind in der Hebammen-Ausbildung bereits aktiv und haben aktuell drei Auszubildende angestellt. Parallel führen sie jedoch auch Gespräche mit Hochschulen, die eine Hebammen-Ausbildung anbieten, um langfristige Kooperationen zu etablieren. Auch eine Zusammenarbeit mit dem Waldkrankenhaus in Berlin-Spandau bei der Hebammenausbildung existiert bereits.

Ich konnte mich davon überzeugen, dass die Klinken alles ihnen mögliche versuchen, schnell Personal zu finden, um die Geburststation schnellstmöglich wiedereröffnen zu können und gleichzeitig Wege gehen, um auch mittel- und langfristig den Fachkräftebedarf zu decken.

Wir haben verabredet im Gespräch zu bleiben und uns gegenseitig zu informieren, wenn es etwas Neues gibt. Ich habe den Kliniken Hilfe zugesagt, wenn aus ihrer Sicht Landes- oder Kreispolitik unterstützend tätig werden kann.

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